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Beginn:
09. April 2009

Letzte Änderung:
Di, 8. Jun 2010

Fall Behnke
Fall 1

Wenn die Bank die Geschäfte übernimmt…

Dass Banken nicht einmal ihre eigenen Geschäfte beherrschen, ist inzwischen jedem klar geworden. Was aber passiert, wenn sich Banker anmaßen, fremde Firmen zu managen, sobald sie erst einmal die Geschäftsführung gekapert haben, zeigt dieser Bericht ebenso drastisch wie exemplarisch, in dem eine Bank aus dem bayerischen Alpenvorland eine unrühmliche Rolle spielt.

Hier die noch anonymisierte Fassung des Falles. Die Bank ist aufgefordert, unkorrekte Darstellungen zu korrigieren. Nach Eingang der Stellungnahme werde ich diese in geeigneter Form veröffentlichen und die Anonymisierung aufheben. Dann haben die Leser auch Zugriff auf die hinterlegten Beweisdokumente. Ich hebe die Anonymisierung auch auf, falls die Bank nach Monatsfrist keine Stellungnahme abgegeben hat, weil ich dann davon ausgehe, dass nach Sicht der Bank zu dieser Darstellung keine Berichtigung im Sinne einer korrekten Fallbeschreibung notwendig ist.

Für den Fall, die Bank sieht ihr Fehlverhalten ein, und es kommt zu einer gütlichen Einigung, behalte ich die Anonymisierung bei.

Christoph Behnke (Name geändert) hatte Anfang des Jahrtausends nichts zu klagen: Seine Druckerei in Oberbayern lief gut, seine Werbeagentur ebenfalls, und er hatte im Voralpengebiet für sich und seine Familie  ein altes Wohnhaus um- und ausgebaut. Eine mittelständische Idylle mithin, die sich aber plötzlich eintrübte. Das Startzeichen für das dann folgende Drama meint Behnke exakt festmachen zu können: Anfang 2002 legte Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dieter Watzke (Name geändert), bis dahin ein Freund der Familie, eine Bilanz vor, bei der die Forderungen eines Hauptlieferanten statt in Euro in DM aufgeführt waren. Plötzlich schien es so, als hätte Behnke wesentlich höhere Schulden als tatsächlich und “von da an“, so Behnke, „war der Teufel im Geschäft“ - unter anderem in Gestalt zumindest misstrauischer Banker.

Zudem erreichte die Wirtschaftskrise, die der Nine-Eleven-Schockwelle folgte, mit Behnkes Kunden auch die kleine Kreativschmiede in Vachendorf. Folge: Ausbleibende und stornierte Aufträge, Liquiditätsengpässe und Banker, die sich plötzlich nervös bis zugeknöpft gaben und, vielleicht angesichts der Vermögenswerte, auch ein wenig gierig wurden. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass die Verpflichtungen, die sich vor der kleinen Firmengruppe plötzlich aufzutürmen schienen, wegen der Währungsverwechslung plötzlich bei einem Lieferanten das Doppelte des Gewohnten ausmachten - ein Missverständnis, das zwar schnell geklärt war aber doch das Zeug hatte, lange haften zu bleiben.

In Folge der angespannten Lage machte die Bank die Spielräume eng, indem sie mehrfach abgesprochene Überweisungen dann doch nicht ausführte, was letztlich zu Schwierigkeiten mit den Lieferanten führte. Weil Behnke aus diesem Grund die Bezahlung von Papierrechnungen einige Male schuldig blieb (später aber doch regeln konnte) verlangten die Lieferanten Barzahlung bei Lieferung - für eine Druckerei, die ihre Produktion vorfinanzierte, ein nur schwer zu verkraftender Aderlass. Denn mangels sicherer Papierlieferung kann eine Druckerei nicht auf lange Sicht akquirieren. Um nicht Aufträge anzunehmen, die er später nicht abarbeiten könnte, musste der Unternehmer besonders die lukrativen großen ablehnen. Behnke schätzt die so entstandenen Umsatzverluste auf mindestens eine halbe Million Euro, den verlorenen Gewinn daraus auf mindestens 30.000 Euro.

    Frage an Bank:

    Welche Rechtsgrundlage erlaubt es einer Bank, mit ihr abgesprochene Überweisungen nicht durchzuführen? Teilen Sie meine Auffassung, dass es sich hier um Vertragsbruch handelt?

Aus finanztechnischer Sicht gab es für die Bank eigentlich überhaupt keinen Grund für derartige Schikanen, denn den Schulden von insgesamt rund 2 Mio. Euro (1,8 Mio. Euro bei der Bank, 0,25 Mio. bei den Lieferanten) standen erhebliche Vermögenswerte gegenüber, die er der Bank auch als Sicherheit gegeben hatte:

- Zwei Wohnhäuser im Wert von insgesamt einer Million Euro;

- das Geschäftshaus im Schätzwert von 1,8 Mio. Euro;

- die Abtretung aller Forderungen gegenüber den Kunden, damals rund 350.000 Euro und andere Sicherheiten aus dem privaten Vermögen.

Insgesamt summierte sich der Wert der Sicherheiten auf fünf Millionen Euro.

- Außerdem wusste Behnke, dass er  seinen kurz zuvor gegründeten Artro-Verlag (Name geändert), der Kunstbücher herstellte und vertrieb, für 100.000 Euro verkaufen konnte, wie es kurzfristig dann auch geschah.

Für derartige milde Krisen halten die Bundesrepublik und die Länder Fördermittel zur Verfügung; entweder zinsverbilligte Darlehen oder Bürgschaften. Allerdings ist der Unternehmer dabei auf das Goodwill der Banken angewiesen. Denn nur die sind ermächtigt, die Mittel bei den unterschiedlichen Instituten zu beantragen, sie auszuzahlen und sie zu verwalten. Da erliegt so mancher Banker schon einmal der Versuchung, seine Macht auszunutzen und die Fairness gegenüber dem Schwächeren zu vergessen.

In einer solchen Situation versuchen die Banker immer wieder, den Unternehmer so in den Griff zu bekommen, dass der sich in den vielfältigen taktischen und finanztechnischen Tricks so verheddert, dass er die Übersicht verliert und sich schließlich den Machenschaften der Banker unterwirft, deren Abwehr ihn sonst nur ein Großteil seiner Arbeitskraft rauben würde. Dabei unterliegt er dem Irrtum, dass einem Banker doch daran gelegen sein muss, dem Unternehmen, das ihm Geld schuldet, zu helfen statt zu schaden - ein Missverständnis, das vor allem in den Geschäftsbeziehungen mit Provinzbankern regelmäßig tragische Folgen hat.

Bei Christoph Behnke fing die Verhedderei mit dem Diktat der Banker an, einen externen Produktionsleiter nach dem Gusto der Bank einzustellen - andernfalls sei nicht auf Sanierung noch Finanzierung zu hoffen.

    Frage an Bank:

    1. Ist es bei Ihnen üblich, Kreditnehmer in Personalfragen wie beschrieben unter Druck zu setzen?

    2. Teilen Sie meine Meinung, dass es sich bei dem geschilderten Vorgehen um Nötigung handelt?

Als das Anfang August 2002 durchgesetzt war, zeigte sich die Bank bereit, Behnkes Anträge auf Förderkredite auch zu bearbeiten; brauchte dafür aber sage und schreibe zehn Monate, bis Ende März 2003, in denen es mit der Liquidität immer enger wurde. So etwas dauert, wie Verantwortliche bei der betroffenen Förderbank, der LfA, versichern, in der Regel maximal vier Wochen, wenn alle Unterlagen vorlägen. Behnke kann nachweisen, dass das vom ersten Tag des Finanzierungsantrags der Fall war.

    Frage an Bank:

    Bitte begründen Sie die lange Frist zwischen Beantragung der Fördermittel und deren Auskehrung.

Immerhin: Zumindest die Bank schien sicher, die Förderkredite auch hereinholen und mit dem Geld Behnkes Druckerei sanieren zu können. Denn anders hätte es für die Bank keinen Sinn gemacht, mit dem zwangsweise eingesetzten Produktionsleiter über eine unfreundliche Übernahme zu verhandeln. Als Behnke schließlich dahinter kam, feuerte er den Mann fristlos, zumal der auch anderweitig eine krumme Tour gefahren hatte, indem er Aufträge der Druckerei auf eigene Rechnung abwickelte.

Derweil beschäftigte die Bank das Unternehmen mit immer neuen Anfragen nach Auftrags- und Liquiditätsentwicklung. Dazwischen führten die Finanzer auch weiterhin immer wieder einmal fest vereinbarte Überweisungen nicht durch.

    Frage an Bank:

    Mit der Bearbeitung der Förderanträge sind Sie ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Herrn Behnke und dessen Unternehmen eingegangen, die eine Kreditkündigung eigentlich ausschließt.

    Trotzdem haben Sie wohl durch die Nichtdurchführung von Überweisungen die bestehenden Kreditlinien vertragswidrig gekürzt.

    Bitte erläutern Sie die rechtlichen Grundlagen für dieses Verhalten der Bank und deren Mitarbeiter.

Schließlich war das Fördergeld dann doch da; und zwar mit der Maßgabe verbunden, dass damit vordringlich Lieferantenrechnungen und kurzfristige Kredite, sprich: die Belastungen auf dem Kontokorrentkonto auszugleichen seien. Zudem sei für ein Liquiditätspolster in Höhe von mindestens 130.000 Euro auf dem Kontokorrentkonto zu sorgen. Das nicht etwa als Auflage für Behnke, sondern als Auflage für die Bank.

Das war vermeintlich schon einmal ein großer Schritt in Richtung Unternehmensrettung. Den zweiten machten zwei von Behnkes Unternehmerfreunden, von denen einer den Artro-Verlag für 100.000 Euro kaufte und der zweite Behnke 400.000 Euro lieh - zu parken auf einem privaten „Treuhandkonto“ bei der Bank; zu nutzen nur im äußersten Notfall als Liquiditätsreserve.

So schien denn alles gut auf die Gleise gesetzt und die Fahrt in die Zukunft konnte beginnen - bis es den Bankern einfiel, die Weichen anders zu stellen, als Landesförderbank, die privaten Geldgeber und Behnke das vorgesehen hatten - und zwar, wie Gutachter und Anwälte hinterher feststellten, nicht nur betriebswirtschaftlich völlig unsinnig, sondern auch derart rechtswidrig, dass Behnke ein Anspruch auf Schadensersatz zusteht.

    Dokumente:

    1. Gutachten Wirtschaftsprüfer 1

    2. Gutachten Wirtschaftsprüfer 2

Die Banker fingen nämlich an, die Fördergelder und das Privatdarlehen auf eine derart komplexe Art und Weise im Kreis zu buchen, dass zwar die langfristigen Darlehen (nämlich die für den Haus- und Firmengebäudebau) weitgehend getilgt, die kurzfristigen Verbindlichkeiten aber überwiegend noch existent waren. Mit dem Erfolg, dass an eine sinnvolle unternehmerische Tätigkeit auch weiter nicht zu denken war. Zusätzlich wurden durch die eigenmächtigen Buchungen aus der Druckerei-GmbH Gelder in die private Einzelfirma (die Werbeagentur) rechtswidrig verschoben, ohne dass sich bis heute Finanzamt oder Insolvenzverwalter daran gestört hätten.

Bei all dem Hin- und Hergeschiebe der Gelder scheint die Bank hin und wieder selbst die Übersicht verloren zu haben. Entsprechend einer ersten vorläufigen Prüfung durch die Kontendetektei Anna Maria Möntmann sieht es so aus, als habe die Bank Kontokorrentzinsen höher abgerechnet als auf den Kontoauszügen angegeben.

    Dokument: Gutachten Kontenprüfung

    Link zur Kontendetektei

Auch der Steuerberater stellte später Ungereimtheiten fest: Bei der Auszahlung eines Darlehens verschwanden 2.500 Euro sang- und klanglos.

Dabei ist besonders bemerkenswert, dass nicht eine einzige dieser Buchungen und Zahlungen, so hat ein Gutachter es festgestellt, von Behnke oder einem seiner Mitarbeiter unterschrieben wurden. Die Banker handelten ausschließlich nach eigenem Gusto und setzten sich dabei, wie es scheint, sowohl über Weisungen des Unternehmers wie auch über die Interessen der Firma hinweg.

    Dokument: Gutachten

    Frage an Bank:

    1. Welche Rechtsgrundlage befugt einen Bankmitarbeiter, die Liquidität eines Unternehmens eigenmächtig zu steuern?

    2. Teilen Sie meine Auffassung, dass Ihr Mitarbeiter damit die Geschäftsführung aller Unternehmen des Herr Behnke übernommen hat?

    3. Teilen Sie die Auffassung, dass sowohl dieser Mitarbeiter wie die Bank sich damit schadensersatzpflichtig gemacht haben?

Schließlich, im Juni 2002, verstieg sich die Bank sogar darauf, bereits ausgezahlte Löhne, die die Mitarbeiter bereits auf ihren Konten hatten, zurückzubuchen. Das geht eigentlich nicht - und die annehmenden Banken, die sich auf diese Manipulation eingelassen haben, werden sich noch unangenehme Fragen stellen lassen müssen.

    Dokument: Kontoauszüge

    Frage an Bank:

    Welche Rechtsgrundlage befugt eine Bank beziehungsweise deren Mitarbeiter, bereits auf fremdem Konto gutgeschriebene Überweisungen zurückzurufen?

So schlug Behnkes damaliger Anwalt in einem Gütevorschlag vor, sämtliche erfolgten Buchungen wieder zurückzubuchen, was nicht geschah. Die Folge war, dass Behnke aufgrund von der Bank blockierter Leasingzahlungen schließlich dazu verurteilt wurde, eine wichtige Druckmaschine herauszugeben. Plötzlich fehlten dem Mann wesentliche Produktionskapazitäten.

Zwischendurch und wie zum Hohn machte die Bank sogar ein Angebot auf einen Forderungsverzicht auf restliche langfristige Verbindlichkeiten (was in einer Liquiditätskrise nichts nutzt), schlug aber das Angebot des Unternehmensfreundes auf eine Komplettablösung der damals 1,25 Millionen Euro betragenden Gesamtschulden ebenso aus, wie ein Hilfsangebot der Oberbank über 1,4 Millionen Euro.

Ein weiterer Unternehmerfreund wollte auch noch eine Viertel Million einschießen - aber um darauf zu reagieren, ließ sich die Bank zwei Wochen Zeit und krönte dieses doch sehr irritierende Verhalten mit Nachforderungen gegenüber diesem Freund.

Damit war das böse Spiel auf seinem Tiefpunkt: Behnke musste am 15. Mai 2005 für sich, seine Werbeagentur und seine Druckerei Insolvenz anmelden.

Um das Bild aber abzurunden, sei der Schilderung über das Vegetieren nach dem Unternehmenstod nur so weit vorgegriffen, dass der ehemalige Freund und Steuerberater (eben der, der zu Beginn DM und Euro verwechselte) nun Eigentümer des Behnke’schen Firmengebäudes ist. Der Insolvenzverwalter hat es ihm weit unter jenem Wert verkauft, den die Gläubigerversammlung dem Insolvenzverwalter als Mindesterlös vorgeben hatte.

Und manchem mag es als besonders schreckliche Tragik erscheinen, dass eben dieser währungsfeste Experte Behnkes Sohn Phillip mitsamt der letzten noch verbliebenen Druckmaschine aus dem Haus geworfen hatte, als dieser versuchte, die Trümmer der väterlichen Existenz aufzusammeln und als Druckereiunternehmer selber neu anzufangen.

„Dabei“, so Behnke, hat der Mann den Jungen seit frühester Kindheit gekannt“. Es geht oft grausam zu in den Idyllen.

Das war die Geschichte vom Untergang der Druckerei und der Werbeagentur Behnke. Sie konnte nicht alle Details berücksichtigen - das haben die Gutachter und die Anwälte erledigt, deren Feststellungen und Schriftsätze sich in den internen Links wiederfinden.

Bis jetzt nicht berücksichtigen konnte die Schilderung die vielen Enttäuschungen, die Christoph Behnke zu verkraften hatte; vor allem die Enttäuschungen mit den Anwälten, die nach viel anfänglichem Enthusiasmus und nach dem Empfang erklecklicher Honorare (die alle Sohn Philipp aus den Einnahmen seiner kleinen Druckerei bezahlen musste) plötzlich und ganz unvermutet das Interesse verloren. Davon wird noch die Rede sein. Und, wie gesagt, von dem Insolvenzverwalter Mauser (Name geändert).

Behnke gibt nicht auf. Sein Anwalt hat jetzt erst einmal bei der ÖRA (Öffentliche Rechtsauskunfts- und Vergleichsstelle) in Hamburg einen Antrag auf Vermittlung gestellt. An die ÖRA kann sich jeder wenden, der meint, vor einem teuren Rechtstreit es erst einmal mit einer Schlichtung zu versuchen.

    Link: Zur ÖRA

    Dokument: Antrag auf Vermittlung

Bei der ÖRA befassen sich gestandene Juristen auch mit richterlicher Praxis mit den Fällen. Das Schöne an dieser Institution: Die Anrufung der ÖRA unterbricht den Lauf der Verjährung.

Christoph Behnke kämpft nun um sein verlorenes Vermögen. Vor allem muss er sich gegen den Insolvenzverwalter zur Wehr setzen, der von Anfang an (freundlich ausgedrückt) wenig an der Weiterführung und Rettung der Firma interessiert war.

Welche Chancen vor und nach der Anmeldung der Insolvenz vertan wurden und wo vermeidbarer Schaden zu Lasten der Gläubiger und des Unternehmers entstanden ist, finden Sie in dem Kapitel „Der Drucker und sein Henker“.

    Link: Kapitel der Drucker und sein Henker

    Wird erstellt.

 

zum nächsten Fall

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