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Beginn:
09. April 2009

Letzte Änderung:
Di, 8. Jun 2010

Fall Gambert
Fall 2
Wenn die Bank kein Geld braucht…
Oder: Was passiert, wenn ein Sparkassenboss seine Schuldner nicht riechen kann

Das ist die Geschichte eines Hoteliers, dessen Aktivitäten durch die unberechtigte Kreditkündigung einer Sparkasse abrupt beendet wurden und dem dieselbe Sparkasse den Rückkauf einer Immobilie durch Verwandte nur deswegen verweigerte, weil der Sparkassenchef „mit dieser Familie“ keine Geschäfte mehr machen wollte. Verantwortlich für diese Art von Sippenhaft war ein Vorstandsvorsitzender, der sich später eine pompöse Feier zum persönlichen Dienstjubiläum von der Sparkasse bezahlen ließ (und dabei ein Drittel des Gewinns verprasste) - was ihm den Job kostete und das Interesse der Staatsanwaltschaft nach sich zog.

Hier die noch anonymisierte Fassung des Falles. Die Sparkasse ist aufgefordert, unkorrekte Darstellungen zu korrigieren. Nach Eingang der Stellungnahme werde ich diese in geeigneter Form veröffentlichen und die Anonymisierung aufheben. Ich hebe die Anonymisierung auch auf, falls die Sparkasse nach Monatsfrist keine Stellungnahme abgegeben hat, weil ich dann davon ausgehe, dass nach Sicht der Sparkasse zu dieser Darstellung keine Berichtigung im Sinne einer korrekten Fallbeschreibung notwendig ist.

Für den Fall, die Sparkasse sieht ihr Fehlverhalten ein, und es kommt zu einer gütlichen Einigung, behalte ich die Anonymisierung bei.

Im September 2008 wurde die „Meinersmühle“ (Name geändert), ein Hotel- und Apartmentkomplex, in das der Staat, Michael Gambert und seine Familie rund zwei Millionen Euro gesteckt hatten, für wenig mehr als ein Zehntel des Verkehrswertes verkauft. Für exakt 263.000 Euro von der Sparkasse an einen Investor, der von Gamberts Konzept so überzeugt ist, dass er das Anwesen nun weiter betreibt.

Damit wurde der vorläufige Schlussstrich gezogen unter eine unendliche Affäre, die 1990 im Hoffnungsrausch nach der Wende begann. Damals kaufte Gambert (Name geändert) der Treuhandgesellschaft für nicht einmal 100.000 Euro die malerisch gelegene Meinersmühle ab und baute sie in den folgenden Jahren in ein modernes Hotel mitsamt angegliedertem Wohnungstrakt um. So investierte Gambert insgesamt rund 2 Millionen Euro, für die er auf Mittel der Familie, von Freunden und der Deutschen Ausgleichbank (DtA) sowie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zugreifen konnte.

Weil nur Banken und Sparkassen berechtigt sind, Kredite herauszureichen, wählte er als finanzierenden Partner die örtliche Sparkasse aus, die Sparkasse, die ihm die zinsverbilligten Fördermittel besorgte und ein eigenes Darlehen beisteuerte. Besichern ließen sich Förderbanken und Sparkasse das Engagement mit einer Grundschuld auf die Immobilie, mit einer Bürgschaft des Landes Brandenburg und einer Bürgschaft der damaligen Ehefrau von Michael Gambert.

Damit hatte sich die Familie in die Hände von Bankern begeben, deren fachliche und ethische Kompetenz sie nicht einschätzen konnte - ein Missgriff, den Neustarter bald überall im Land bereuen sollten.

Dieser Missgriff mündete im Jahr 2005 in die Zwangsversteigerung der Immobilie, bei der die Sparkasse als einziger Bieter für 200.000 Euro den Zuschlag erhielt, und 2008 dann in deren Verkauf für 263.000 Euro. Dabei ist der Unterschied zwischen dem Schätzwert der Immobilie mit dem Zuschlagsbetrag bemerkenswert: 2 Millionen zu 200.000 Euro.

Zwischen der hoffnungsvollen Gründung des Hotelbetriebs und dem schließlichen Kollaps lagen zunächst erfolgreiche Jahre mit guten Umsätzen und erfreulicher Auslastung. Ganz besonders stolz ist Gambert noch heute, dass sich der Nobelpreisträger Günter Grass in seinem Haus spürbar wohl fühlte. Gambert konnte sogar verkraften, dass große Kunden, Vereine und Firmen, hin und wieder vergaßen, ihre Rechnungen zu bezahlen - aber mit so etwas musste man in den Zeiten des Ostdeutschen Wildwest eben fertig werden.

Schlimm wurde es aber, als die Kommune und das Land anfingen, die Infrastruktur zu sanieren, was in sieben einzelne Baumaßnahmen mündete, die das Hotel schließlich so einzingelten, dass es für Nicht-Pfadfinder schlicht unauffindbar wurde. Die Gemeinde wollte in dieser Situation nicht einmal ein weithin sichtbares Hinweisschild dulden, so dass die Meinersmühle, wesentlich von durchreisenden Gästen abhängig, schließlich vom Tourismusleben abgeschnitten wurde.

Und weil der Teufel sich stets auf den größten Haufen entleert, stellten die Handwerker, die den Ausbau des Hauses besorgten, Rechnungen in nicht erwarteter Höhe; es fehlten plötzlich 300.000 DM.

Da benötigte der Hotelier, gerade einmal zwei Jahre nach der Eröffnung, frisches Geld, was ihm die Förderinstitute auch sofort in Aussicht stellten - nur brauchte Gambert, um an das Geld zu kommen, erneut die Sparkasse als die Institution, die die Anträge bearbeiten und die Mittel dann herausreichen sollte.

Das aber zog sich über Monate in die Länge, und Gambert mutmaßt heute, dass die Sparkasse überhaupt nicht an der Durchleitung des Fördergeldes interessiert war. Lieber machte sie das Geschäft selber und reichte ihm einen Kredit zu wesentlich teureren Konditionen heraus, als Gambert sie von der Förderbank bewilligt bekommen hätte.

Viel später wird ein Gutachter feststellen, dass eine zügige Herausreichung der gewünschten Fördergelder und damit eine frühe Bereitstellung dringend benötigter Liquidität den Kollaps der Unternehmungen verhindert hätte.

    Dokument: Gutachten

Aber noch war es, trotz finanzieller Engpässe, nicht so weit. 1998, Gambert konnte den Betrieb trotz aller Widrigkeiten immer noch gut im Laufen halten, ordnete er, auch aufgrund steuerlicher Überlegungen, die Besitz- und Betriebssituation neu.

So behielt er das Anwesen als persönliches Eigentum und gründete, übrigens gegen den erklärten Widerstand der Sparkasse, die „W.G. Warenvertriebsgesellschaft GmbH“ (Name geändert), die ausschließlich für den Restaurant- und Hotelbetrieb zuständig war. Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer war Gambert. Da die Sparkasse weiter gegen den Bestand der GmbH opponierte, verkaufte Gambert die Firma schließlich kurzerhand an die Limited eines englischen Unternehmers, der damals in der Region auf der Suche nach lohnenden Investments war.

Anschließend verpachtete Gambert die Hotelimmobilie und das Restaurant einschließlich der Küche und der gesamten Einrichtung an die Warenvertriebsgesellschaft. Der Pachtzins, der ihm daraus zufloss, war so berechnet, dass er damit die Raten für die Kredite begleichen konnte.

Um der Sparkasse mehr Sicherheit zu gewähren und um jeden Anschein zu vermeiden, mit der Umstrukturierung sollte das Kreditinstitut ausgebootet werden, vereinbarte Gambert mit der Sparkasse, den Pachtzins auf ein bei der Sparkasse geführtes Konto fließen zu lassen. Nach zwei Monaten war aber selbst das den Sparkassenleuten zu unsicher, so dass sie Gambert zu einer Abtretung der Pacht drängten.

Im Gegenzug verpflichtete sich die Sparkasse vertraglich, so lange auf eine Zwangsversteigerung oder einen Verkauf der Hotelimmobilie zu verzichten, wie der Pachtzins störungsfrei auf das Konto floss.

    Dokument: Vertrag

Diese Vereinbarung hielt auch einige Monate, bis zum Juli 1999. Gambert ging in dieser Zeit auch dazu über, die Hotelimmobilie Stück für Stück mit Wohnapartments anzureichern.

Darauf kündigte die Sparkasse die Kredite mit der Begründung, Gambert habe seine Geschäftstätigkeit eingestellt, aktivierte die Abtretung der Pacht und stellte Antrag auf Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung.

Dabei konnte von Geschäftsaufgabe überhaupt nicht die Rede sein. Denn damals hielt der Hotelier immerhin sieben Köche und sechs Azubis in Lohn und Brot. Tatsache war hingegen, dass Gambert sich aufgrund der Eingriffe der Bank gezwungen sah, für die Warenvertriebsgesellschaft Konkurs anzumelden.

Da stand dann die Sparkasse wiederum im Regen, denn ohne die Betriebsgesellschaft drohte die gesamte Gastronomie in der Meinersmühle ins Stocken zu kommen und damit der Rückfluss der Kreditraten an die Sparkasse.

So einigten sich die Parteien darauf, dass Gambert Hotel und Restaurant weiter betreiben solle; aus dem Erlös flossen dann die Kreditraten weiter.

Gambert ließ sich auf dieses seltsame Geschäft ein, weil er hoffte, mit Hilfe der Familie die Immobilie eines Tages auslösen zu können; und es schien, als würde sich diese Hoffnung bewahrheiten. Denn im Juli 2004 baten Mitarbeiter der Sparkasse den Unternehmer sowie dessen Mutter zu einem Gespräch; es solle über die Zukunft der Immobilie gesprochen werden. Daher nahm Gambert auch gleich einen Bruder mit, der hin und wieder hatte durchblicken lassen, an der Immobilie interessiert zu sein. Und tatsächlich bot die Bank diesem das Hotel zum Kauf an. Der sagte an diesem Tag auch zu und verhandelte mit seiner Hausbank über die Finanzierung, die er auch erhielt.

Beim Notar aber die große Überraschung: Trotz Bestätigung des Termins kamen die Vertreter der Sparkasse nicht zur Beurkundung des Verkaufs. Ein Zeuge berichtete später, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, der vorher nichts vom beabsichtigten Kauf der Immobilie durch Gamberts Bruder gewusst hatte, habe seine Leute mit der Feststellung „Den Gamberts verkaufe ich das Objekt nicht, und wenn sie fünf Millionen böten“ zurückgepfiffen.

Gamberts Bruder fühlt sich nun ebenfalls von der Sparkasse massiv geschädigt, weil er für den nicht abgerufenen aber bewilligten Kredit auch noch Bereitstellungszins zahlen musste.

    Dokument: Gutachten über Erfolgserwartung bei Klage um Schadensersatz für den verlorenen Bereitstellungszins

Ähnlich reagierte der Sparkassenchef wohl, als Gamberts spätere Ehefrau Ingrid, gut verdienende Zahnärztin, die Immobilie für 750.000 Euro erstehen wollte. Auch da lag das Geld bereit und auch da kam es, trotz Angebot durch die Sparkasse, zu keinem Verkauf.

Andere Geschäfte machte die Sparkasse dann aber doch mit Gamberts Familie: Kurz nach der Ersteigerung schloss sie einen Mietvertrag mit Mutter Gambert, nach dem diese das Hotel nutzen könne.

In der Erwartung, die Sparkassenmitarbeiter könnten sich gegen das irrationale Verhalten ihres Chefs durchsetzen, damit die Familie später vielleicht doch wieder Eigentümerin der Immobilie würde, investierten sie und Ingrid Gambert rund eine Million Euro in den Umbau der Zimmerfluchten in zunächst 13 Wohnungen, die auch schnell vermietet wurden.

Die Hoffnung, auf diese Weise wieder einen Neuanfang zu schaffen, zerstoben aber schnell. Im September 2006 kündigte die Sparkasse den Mietvertrag unter dem Vorwand, die Umwidmung der Zimmer stelle eine Vertragswidrigkeit dar. Sie kündigte auch die Untermietverträge, die Mutter Gambert abgeschlossen hatte und schmiss die Mieter ohne jegliche Rücksichtnahme aus den Wohnungen.

    Dokument: Kündigung des Mietvertrags

In einem Fall bediente sie sich sogar an einem Kautions-Treuhandkonto, das Frau Gambert zu Gunsten eines Mieters bei der Sparkasse angelegt hatte.

Damit war die Immobilie frei für einen möglichen Käufer, der sich aber ewig nicht finden ließ. Erst im September kam es dann zu dem erwähnten Verkauf über 263.000 Euro - ein einmalig schlechtes Geschäft für die Sparkasse, gemessen an den zwei Rückkaufangeboten, die sie in den Wind geschlagen hatte.

War die Sparkasse auf der einen Seite so überhaupt nicht kleinlich, als sie noch die Chance hatte, ihren Verlust aus dem Engagement Gambert in Grenzen zu halten, nahm sie es auf einer anderen Seite dann doch sehr genau.

Weil der Unternehmer die Darlehen auch mit dem eigenen Privathaus besichert hatte, ließ die Bank dieses ebenfalls versteigern und kam dabei zu einem Erlös von rund 50.000 Euro bei einem Schätzwert von rund 130.000 Euro.

Auch Gamberts Ex-Frau, die zu Beginn des Dramas für die Darlehen gebürgt hatte (obwohl sie nie auch nur einen Funken Aussicht hatte, diese Schulden aus eigenem Einkommen zu tilgen), musste Monat für Monat 50 Euro herausgeben, damit die Sparkasse sie in Ruhe ließ. Über die Rechtmäßigkeit dieser Bürgschaftsverwertung wird noch zu reden sein.

Trotzdem die Zwangsversteigerung im Jahr 2005 abgeschlossen war, hat Gambert trotz mehrfacher Mahnung bis heute keinerlei Abrechnung erhalten. Er weiß also nicht einmal, ob er bei der Sparkasse noch Schulden hat und wenn ja, wie hoch diese sind.

Daher hegt Gambert den Verdacht, dass seine Verpflichtungen der Sparkasse gegenüber längst getilgt sind und diese sogar mehr erhalten hat, als ihr zustand.

Um diese Sache noch vor Ablauf der Verjährungsfrist zu klären, hat sich Gambert an die „Öffentliche Rechtsauskunfts- und Vergleichsstelle“ ÖRA in Hamburg gewandt. An die ÖRA kann sich bundesweit jeder wenden, der ein rechtliches Problem hat und eine außergerichtliche Einigung sucht. Eine Eingabe an die ÖRA hat den Vorteil, dass mit ihr Verjährungsfristen unterbrochen werden, so dass sich selbst Anwälte an diese Institution wenden, wenn sie nicht gleich klagen wollen.

Gamberts Bitte um Hilfe ist in diesem Link dokumentiert. An dieser Stelle sei nur festgestellt, dass nach seiner Rechnung nicht mehr Gambert der Sparkasse Geld schuldet, sondern die Sparkasse Gambert viel Geld zurückerstatten muss.

    Dokument: Vermittlungsgesuch

Man wird sehen, wie sich die Verhandlungen entwickeln. Eine Merkwürdigkeit zum Schluss: Gambert berichtet, die Sparkasse, die die Immobilie immerhin für sich ersteigert habe, sei bis zum Verkauf an den neuen Investor nicht im Grundbuch eingetragen worden.

Das macht natürlich stutzig, und es stellt sich die Frage, ob und wie unter diesen Umständen überhaupt Grundsteuer geflossen ist? Auch das wird im Laufe der Recherche zu klären sein. 

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