Home
Aktuelles
Inhalt
Fälle
Ratgeber
Tools
Finanzierungen
Bank und Gesellschaft
Freunde
Kontakt
Impressum

Beginn:
09. April 2009

Letzte Änderung:
Di, 8. Jun 2010

Fall Brixener
Fall 3

Ausgeknockt

Das Schicksal der Elektromotorenfabrik Domco zeigt, mit welch einfachen Mitteln Banken die feindliche Übernahme von Unternehmen gelingt, die eigentlich nicht mehr wünschten, als eine ordentliche Finanzierung. Es gibt dabei nur drei Stationen: Das Unternehmen wird krank gemacht oder kränker, als es anfangs war; man provoziert die Insolvenz und bedient sich am vorhandenen Vermögen. So erhalten die Bemühungen außerhalb Deutschlands agierender Banken, hierzulande Unternehmenskunden zu akquirieren, plötzlich einen ganz neuen Inhalt: Sie kommen als Fremde und gehen als Feind.

Hier die noch anonymisierte Fassung des Falles. Die Bank ist aufgefordert, unkorrekte Darstellungen zu korrigieren. Nach Eingang der Stellungnahme werde ich diese in geeigneter Form veröffentlichen und die Anonymisierung aufheben. Dann haben die Leser auch Zugriff auf die hinterlegten Beweisdokumente. Ich hebe die Anonymisierung auch auf, falls die Bank nach Monatsfrist keine Stellungnahme abgegeben hat, weil ich dann davon ausgehe, dass nach Sicht der Bank zu dieser Darstellung keine Berichtigung im Sinne einer korrekten Fallbeschreibung notwendig ist.

Für den Fall, die Bank sieht ihr Fehlverhalten ein, und es kommt zu einer gütlichen Einigung, behalte ich die Anonymisierung bei.

 

Als im Jahr 2001 der Wirtschaftsingenieur Peter Brixener (name geändert) und Dr. Karl Kaufmann, Geschäftsleiter einer Bank aus dem benachbarten EG-Raum zusammensaßen, um sich über die Domco Elektromotoren auszutauschen, hatten beide wahrscheinlich eine sehr unterschiedliche Sicht der Unternehmensgruppe. Für den Banker werden rund 15 Mio. Euro bedrohter Kredite, ein wegbrechender Markt und ausbleibende Gewinne das Unternehmen charakterisiert haben. Eigentlich ein Fall für die Abwicklungsabteilung; allerdings nicht für diese Bank, denn die hatten bis dahin mit der Domco nichts zu tun.

    Dokument: Dossier Kaufmann

    (Wird noch erstellt)

    Dokument: Vita Brixener

    (Wird noch erstellt)

Brixener hingegen, der bei Domco Mitte bis Ende der Neunziger Jahre als Technischer Leiter die Stärken und Schwächen des Unternehmens kennen gelernt hatte, plante ein verspätetes Management Buy In (MBI), das ihm die Bank finanzieren sollte. Er kannte die exzellente technische Kompetenz und die guten Vermögenswerte und plante, an die Stelle der tradierten Firma, die ausschließlich  auf Endverbraucher ausgerichtet war, eine High Tech-Schmiede zu setzen. Er wollte die Kernkompetenzen, nämlich präzisen Werkzeugbau, die Herstellung leistungsfähiger Elektromotoren sowie hochwertige Kunststoffverarbeitung und Oberflächenveredelung, in die Komponentenfertigung zum Beispiel für die Haushaltswarenhersteller, die Automobilindustrie oder in die Medizintechnik einbringen. Entsprechende Kontakte waren geknüpft; (noch unverbindliche) Auftragszusagen lagen unterschriftsbereit vor.

MBIs waren nichts Neues für die Bank; sie war sogar an Gesellschaften beteiligt, die auf solche Finanzierungen spezialisiert waren, und die Teilhabe an mittelständischen Unternehmen befand sich gerade im strategischen Focus der Bank.

Und schließlich kannte man Brixener als fähigen Manager, der einer anderen  Bank einmal einen kleineren Schuldner aus dem Feuer geholt und damit Millionenkredite gerettet hatte. Jetzt wollte Brixener es einmal selbst als Unternehmer wissen.

Man möchte meinen, eine gute Ausgangssituation für alle. Denn neben einem hoch motivierten Unternehmer hatte die Domco-Gruppe noch wertvolle Vermögensteile im Wert von weit über 60 Mio. Euro zu bieten, die bei der angedachten Kreditierung von 26 Mio. Euro allesamt als Sicherheiten dienen sollten; darunter millionenschwere Forderungen gegen die Kunden, Patente im Wert von 10 Mio. Euro und Spitzgusswerkzeuge im Wert von damals 28 Mio. Euro. Es war auch nicht gerade so, dass die Firma auf dem Trockenen saß. Die Stagnation wurde vielmehr von den Alteigentümern verschuldet, die sich weigerten, wichtige Investitionen durchführen zu lassen, dafür aber auf die Auszahlung ihrer Tantiemen bestanden.

Im Fazit also ein erfolgsträchtiges Übernahme-Projekt wie sie in dieser Zeit zu Tausenden realisiert wurden; darunter auch von dieser Bank und deren operativen Töchtern.

Um so mehr verwundert die destruktive Energie, die der unbefangene Beobachter bei der Durchführung des Projekts seitens der Bank beobachten kann. Vieles deutet wohl darauf hin, dass die Banker von Anfang an nicht am Gedeihen der Sanierung interessiert waren, sondern allein daran, den Unternehmer und das Unternehmen so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen, eine Zeitlang zu melken und anschließend mit beträchtlichem Gewinn zu verkaufen, wie es dann ja auch geschah.

Da die hierbei zutage tretende Strategie nicht nur der Domco zum Untergang verhalf, sondern in identischer Form (wenn auch unter anderen Vorbedingungen) einer weiteren deutschen Firma, legt zumindest für die betroffenen Manager den Schluss nahe, dass sich diese Banken, die alle einer bestimmten Gruppe angehören, diese Art von Heuschreckenstrategie als Geschäftsmodell zurecht gelegt haben.

    Link: zweiter, identischer Fall

    (Wird noch erstellt)

Brixener erkannte lange nicht, worauf die Banker hinaus wollten, so dass auch hier das Drama nach dem uralten Muster vom Idealisten, der dem Zyniker unterlegen ist, gespielt werden konnte.

Der Vorhang für diese für Peter Brixener so übel ausgehende Inszenierung hob sich am 09. April 2002. An diesem Tag unterzeichnet Brixener Kreditverträge über insgesamt 20 Mio. Euro für den Kauf der „alten Domco“, der im April 2002 erfolgte. Von dem vielen Geld musste Brixener gleich 13 Mio. ausgeben, um die aufgelaufenen Schulden des Altunternehmens bei anderen Banken zu übernehmen und rund vier Millionen Euro, um die Vorbesitzer auszuzahlen. Brixener selbst hat knapp eine Million Euro eingebracht.

    Dokumente: Darlehensverträge

    (Werden erwartet)

Er bekam dafür ein in acht  Einzelfirmen aufgesplittertes Industrievermögen und, speziell ausgegliedert und zusammengefasst, die Patentrechte der Gruppe. Für Brixener war damit alles geregelt, Domcos Aufbruch in eine bessere Zukunft konnte beginnen.

Jedoch: Bereits in dieser Zeit, als die Pläne für den Neubeginn noch reiften, versuchte die Bank, über eine ihr nahe stehende Gesellschaft, eine auf Beteiligungen spezialisierte GmbH, sich in das Unternehmen zu drängen. Brixener sah keinen Anlass, darauf einzugehen und schickte die Emissäre heim. Heute erkennt Brixener darin den ersten Versuch, Einfluss auf die Geschäftsführung und Besitzverhältnisse zu nehmen, um ihn später wegdrängen zu können.

    Dokument: Dossier Beteiligungsgesellschaft

    (Wird noch erstellt)

Banker vergessen nichts; vor allem nicht, wenn ihr Geschäftsmodell und ein paar Millionen dazu auf dem Spiel stehen. So standen sie  Anfang 2003 wieder auf der Matte, diesmal als Repräsentanten einer  weiteren Tochtergesellschaft, an der zu allem Überfluss auch maßgeblich der Staat beteiligt war. Brixener schickte auch sie heim, weil er an einer, wie er es ausdrückt, Teilverstaatlichung mit Bankeneinfluss kein Interesse hatte. Danach war an dieser Front erst einmal Ruhe.

    Dokument: Dossier über die zweite Beteiligungsgesellschaft

    (Wird noch erstellt)

Die neue Fabrik war schnell gebaut, eingerichtet und betriebsbereit. Statt wie bisher an vier produzierte Domco ab 2004 bei erheblichen Einsparungen und hohem Produktivitätsgewinn nun an drei Standorten. In der nagelneuen Fabrik und Firmenzentrale, wurden weltweit in der Branche neue Maßstäbe gesetzt; 800 Mitarbeiter der gesamten Domco-Gruppe hatten damit einen vermeintlich sicheren Arbeitsplatz.

Finanziell kniff es hier und da aber noch spürbar; auch, weil die Bank sich wohl nicht immer an die Kreditzusagen hielt, so dass Brixener öfter einmal mit den Banken-Oberen streiten musste. Das zog sich hin, obwohl die Bank in einer komfortablen Sicherheitensituation war. Für Brixener hingegen war die Situation ziemlich scheußlich: Da er alle Sicherheiten einschließlich der Forderungen gegen die Kunden abgetreten hatte, blieb ihm nun keinerlei Spielraum mehr, bei einem anderen Institut Geld zu leihen. Im Grunde waren Domco und dessen Eigentümer voll in der Hand der Bank. Er sollte bald erfahren, was das bedeuten kann.

Denn die Bankmanager sahen im Dezember 2004 offenbar ihre Zeit gekommen, die vorhergegangenen Schlappen wettzumachen und statt eines halbwegs freundlichen Übernahmeversuchs eine feindliche Firmenkaperung zu inszenieren.

Dafür setzten sie einen Kreditcheck an, bei dem das gesamte Engagement  geprüft werden sollte. Brixener war das im Prinzip recht, denn er war der Meinung, dass im Laufe dieser Prüfung alles auf den Tisch kommen und am Schluss eine Vereinbarung erreicht würde, die das eigenständige Weiterbestehen des Unternehmens sicherte. Schließlich war die Firma ja nicht überschuldet, sondern einfach nur ein wenig klamm; und dass auch nur, weil, wie Brixener damals noch glaubte, ein paar Missverständnisse bei der Kreditabwicklung vorgekommen waren. Nach der Kreditprüfung würde sich das dann auch ändern. Brixener glaubte zu diesem Zeitpunkt eben noch an das Gute im Banker. Er irrte tragisch.

Um es dem Unternehmer während der Prüfphase (sie sollte sich schließlich über immerhin drei Monate erstrecken, was ziemlich unüblich ist in der Branche) nicht langweilig werden zu lassen, sperrte die Bank im April 2005 kurzerhand einmal für zwei Tage alle Konten; und das, obwohl die Kreditlinien noch längst nicht ausgeschöpft waren.

Zugleich blockierte die Bank kurzzeitig das Forderungsmanagement, indem sie die mit dem größten Kunden bereits vereinbarte Verkürzung der Zahlungsziele verhinderte. Dadurch wären Rechnungen früher als bisher gezahlt worden, was die Liquiditätssituation merklich verbessert und nebenbei auch Zinsen gespart hätte. Es scheint, als hätten die Banker, wie im Mittelalter die Folterknechte, dem Opfer schnell einmal ihr Handwerkszeug vorgeführt.

Als Brixener mit den Nerven dann so ziemlich am Ende war, stellte die Bank die Beendigung der Kreditprüfung fest, verschwieg das Ergebnis (trotz anders lautender Absprache) und legte dem Unternehmer eine „Grundsatzvereinbarung“ vor, die einer Selbstkastration gleichkam. Danach musste der Unternehmer sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und in die Geschäftsführung einer neu zu gründenden Holding mit von der Bank vorgegebenem Firmensitz einziehen. Als neuer operativer Geschäftsführer sollte, so die Bedingung der Bank, ein ehemaliger, eher glückloser Interims-Geschäftsführer der vorherigen Domco-Gesellschaft fungieren, der noch vor Brixener versucht hatte, die Firma zu übernehmen, aber nicht zum Zug gekommen war und später von dem neuen Eigentümer vor die Tür gesetzt wurde. Da war keine Kollegialität mehr zu erwarten.

    Dokument: Vereinbarung

Brixener unterschrieb trotzdem und weiß heute, dass er damit das Ende seiner wirtschaftlichen Existenz eingeleitet hat. Er gründete die Holding, deren Vorsitz er übernahm, trat auch als Geschäftsführer aller operativen Domco-Gesellschaften zurück und setzte den von der Bank diktierten Geschäftsführer, einen gewissen Freddy Nutzler (Name geändert), an seiner Stelle ein.

    Dokument: Dossier Nutzler

    (Wird noch erstellt)

Damit hatte die Bank eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des bald  folgenden Überfalls geschaffen: die Unterwerfung des Unternehmers unter den Willen der Banker.

Zu Beginn war Brixener für diese Umverteilung der Aufgaben sogar noch ein wenig dankbar. Denn das Tagesgeschäft, also die Produktion und der Vertrieb der Elektromotoren, waren an sich schon Aufgaben, die einen einzelnen Mann vollauf ausfüllten - wie sollte er da auch noch das neue Geschäftsfeld mit gebührender Konzentration entwickeln und die Finanzierung im Auge behalten? Denn in der Grundsatzvereinbarung hatte er sich auch verpflichtet, weitere Teilhaber einzuwerben, damit frisches Eigenkapital in die nun als Konzern geführte Gruppe käme.

Aber wie der Teufel (oder die Bank?) es wollte, lehnte Nutzler die Berufung ab. Jetzt musste Brixener doch wieder voll ins Geschirr; und Die Bank hielt ihn in Bewegung.

Nur zehn Wochen, nachdem die Unterschriften unter die Grundsatzvereinbarung gesetzt waren, schoss die Bank scharf und die Domco-Gruppe sturmreif. Es gelang der Bank, binnen nur einer Arbeitswoche ein im Grunde gesundes Unternehmen mitten im steilen Neustart in die Insolvenz zu zwingen, es in der darauf folgenden Woche vollständig unter Kontrolle zu bekommen, in den folgenden zwei Jahren aus den Früchten der Umstrukturierung Millionengewinne zu ziehen und  Domco schließlich mit gutem Gewinn zu verkaufen.

Die Details des Deals sind bemerkenswert und in ihrer Hässlichkeit von bewundernswürdiger Eleganz. Die eigentliche Schlacht um die Elektromotoren dauerte nur vom 9. bis zum 15. Juli 2005. Danach war nicht mehr Brixener der Herr im Haus, sondern der Insolvenzverwalter. Die Chronologie:

    9. Juli, Samstag: Die Banker konfrontieren Brixener mit einem Ultimatum, Bedenkzeit bis Dienstag: Er soll vier von damals neun Gruppenfirmen in den Konkurs schicken, die restlichen fünf auf eine Stiftung der Bank übertragen. 

Das Perfide an dem Auftrag: Die für den Konkurs vorgesehenen Firmen waren ausgerechnet jene, die die meisten Lasten in den Büchern stehen hatten: Lieferantenverbindlichkeiten und langfristige Verträge mitsamt den daran hängenden Kosten - unter anderem, was Brixener besonders empörte, den Abfindungs- und Pensionsverpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern. Diese Gläubiger wären mit einem Schlag enteignet gewesen.

Die anderen fünf Firmen sollten weiter bestehen, denn die hielten die Vermögenswerte des Konzerns: zum Beispiel die wertvollen Spritzgusswerkzeuge, ohne die die Firma nicht hätte arbeiten können.

Schließlich sollte Brixener mit den Patentrechten auch das Herzstück der Firma Domco ausliefern; diese sollten an einen Strohmann gehen, den die Bank dem Manager, der vor Kurzem noch ein Unternehmer war, noch nennen würde.

Brixener lehnte ab, denn noch war er bereit zu kämpfen.

    Dokument: Ablehnungsschreiben Brixener

    (Wird erwartet)

11. Juli 2005, Montag, 14.31 Uhr: Wiederholung des Ultimatums, Bedenkzeit bis 18.00 Uhr desselben Tages. Brixener lehnt ab.

12. Juli 2005, Dienstag, Vormittag: Wiederholung des Ultimatums, Bedenkzeit bis 24.00 Uhr am selben Tag. Brixener lehnt ab. Er hat nämlich noch, wie er meint, ein As im Ärmel:

13. Juli 2005, Mittwoch Vormittag: Brixener präsentiert den Bankern, so wie die neuen Verträge es vorschreiben, einen Investor aus dem fernen Osten, der schon immer in den kontinentaleuropäischen Markt für Elektromotoren einsteigen wollte und auch das Geld dafür hatte.

Der Investor stellte nur eine Bedingung:  eine gründliche Due-Dilligence-Prüfung. Bei einer solchen Prüfung steigt der Investor tief in die Bücher des Unternehmens, an dem er sich beteiligen will, ein. Ein solcher Check ist absolut nichts Ungewöhnliches (auch die Beteiligungstöchter von der Bank bestehen in der Regel auf solch einer Prüfung); sondern ist vielmehr die übliche Voraussetzung für jede Firmenbeteiligung.

Da geschah das für Brixener heute immer noch Unfassbare: Die Bank stimmte der Prüfung nicht zu. Ob die Verantwortlichen allerdings das Recht dazu hatten, oder ob sie sich mit der Ablehnung der Due Dilligence nicht vielleicht der Untreue schuldig gemacht haben, wäre noch zu prüfen. Insbesondere hat eine Hausbank nach landesüblichen Gesetzen eine besondere Sorgfaltspflicht und Fristenläufe zu beachten. Aber sei es wie es war - der Investor verabschiedete sich und verließ die Präsentation.

Brixener war verzweifelt und zornig zugleich. Für ihn war damals rätselhaft, warum die Bank diese Chance, dem Unternehmen frisches Geld zuzuführen, ausschlug. Heute weiß er es besser und zwar direkt von dem brüskierten Investor: Die Bank-Oberen hatten mit diesem noch am selben Tag ein separates Gespräch verabredet!

    Dokument: Protokoll mit Aussage des Investors

    (Wird erwartet)

     

13. Juli 2005, Mittwoch 16.48 Uhr: Die Bank schickt ein Schreiben mit der Fälligstellung aller Kredite, das Brixener jedoch erst am Folgetag zu Gesicht bekommt.

    Dokument: Kreditkündigung

    (Wird erwartet)

14. Juli 2005, Donnerstag, 09.00 Uhr: Brixener versucht zu retten, was nicht mehr zu retten war. Er bittet eine hochrangige Politikerin um Vermittlung. Die aber weist ihn mit der Forderung zurück, endlich die Übertragungsverträge zu unterschreiben, dafür habe er jetzt noch 15 Minuten Bedenkzeit. Brixener beugt sich dem Druck nicht und verlässt die Runde.

Er nimmt aus diesem Gespräch allerdings die Gewissheit mit, dass die Kreditlinien weiter bestehen, das Unternehmen also aktionsfähig bleibe. So hatten es die Banker auch gegenüber der Politikerin versichert.

14. Juli 2005, Donnerstag, 12.00 Uhr: Brixener findet nach der Rückkehr von dem Vermittlungsgespräch (bei dem ihm noch das Weiterbestehen der Kreditlinie versichert wurde) auf seinem Schreibtisch die Kreditkündigung vom Vortag. Das Unternehmen ist zahlungsunfähig, der Konkurs unausweichlich.

15. Juli 2005, Freitag: Wiederholung des Ultimatums, Bedenkzeit bis 18.00 Uhr am selben Tag. Brixener lehnt ab und meldet für die ersten Firmen der Gruppe Konkurs an. Im Verlauf der kommenden Tage folgt der Konkurs von weiteren Unternehmen der Gruppe. Die ist nun reif zur Ausschlachtung. Brixener zieht sich schockiert nachhause zurück, da er vom Insolvenzverwalter Hausverbot im eigenen Unternehmen bekommen hat.

    Dokument: Wortlaut Ultimaten

Für die Bank war die Sache aber noch längst nicht abgeschlossen. Denn jetzt galt es, den Kadaver Domco zu teilen und die Beute zu sichern. Immerhin handelte es sich um ein Unternehmen mit beträchtlichem Vermögen, einem großen Markt und gutem Ruf als Nummer zwei weltweit in dieser Branche. Um die Ausgangslage für die Bank festzustellen: Im Schuldbuch Domco standen rund 26 Millionen Euro (zugesagt waren Kreditlinien von 27,0 Millionen Euro) Darlehen gegen Sicherheiten im Wert von rund 72 Millionen gegenüber. Die Aufgabe hieß jetzt, das Vermögen ganz zu sich herüber zu ziehen, ohne die Schulden abschreiben zu müssen. Also: sich einen ganzen Konzern ohne einen müden Euro Investition einzuverleiben.

Das geht ganz einfach, wie die Bank nicht nur beim Untergang der Domco bewiesen hat, sondern auch nach der Insolvenz der zweiten deutschen Firma zeigt wie so was geht.

    Link: Bericht

    (Wird noch erstellt)

Zuerst übernimmt der Insolvenzverwalter die Firmenvermögen und vereinte Schulden und Vermögen in der „Masse“. Das ist der Topf, aus dem der Insolvenzverwalter später die Gläubiger auszahlt und das Geld für seine Gebühren entnimmt.

Das Geschäftsmodell ist anhand eines Charts schnell erzählt:

    Illustration: Chart Kaperstrategie

1) Die Bank leiht Brixener und damit der Domco Gruppe 26,1 Mio. Euro.

2)  Domco hat damit Schulden in Höhe von 26,1 Mio. Euro, denen  Vermögenswerte von 71,7 Mio. Euro gegenüberstehen.

3) Mit dem Konkurs bilden Schulden und Vermögen die

4) Masse, über die jetzt ausschließlich der Insolvenzverwalter verfügen darf. In der Masse befinden sich aber nicht

5) die Forderungen gegen Kunden in Höhe von nominal 8,2 Mio. Euro, real maximal 7 Mio. Euro (teilweise Verlust aus Zahlungsausfällen), die an die Bank abgetreten sind. Diese Gelder fließen sukzessive direkt an die Bank, weil die Abtretung vor dem Konkurs erfolgt ist.

6)  Der größere Teil der Masse in Höhe von 20,1 Mio. Euro wird als „Sondermasse“ deklariert. Die Sondermasse entstand nach einer

7) „Anerkenntnisvereinbarung“ des Insolvenzverwalters mit der Bank, durch die er der Bank das Recht zugesteht, aus dem Vermögen der Domco alle Spritzgusswerkzeuge auszusondern. Der Wert der Werkzeuge betrug nach erster Schätzung 28 Mio., nach einer zweiten rund 17 Mio. Euro. Damit hatte die Bank die Voraussetzung für die Produktion in der Hand und konnte somit den Preis für einen späteren Verkauf der Domco-Firmen bestimmen.

    Dokument: Anerkenntnisvereinbarung

    (Wird erwartet)

Insgesamt betrug der Wert der Sondermasse 20,1 Mio. Euro, die zur Gänze an die Bank zurück fließt.

8) Unmittelbar nach dem Konkurs aktivierte die Bank eine Auffanggesellschaft“. Brixener vermutet, dass diese Gesellschaft bereits weit vor dem Konkurs auf Vorrat gegründet wurde.

9) Eigentümer der Auffanggesellschaft ist eine „Unternehmensbeteiligungs GmbH“, die von einer

10) Stiftung kontrolliert wird. Brixener hat inzwischen Indizien in der Hand, dass diese Stiftung von der Bank kontrolliert wird.

11) Die Bank leiht der Auffanggesellschaft (und damit indirekt sich selbst) 26,1 Mio. Euro.

12) Der Insolvenzverwalter verkauft der Auffanggesellschaft die gesamte Konkursmasse für 26,1 Mio. Euro. Damit erwirbt die Bank die gesamte Masse mitsamt dem Vermögen der Gruppe im Wert von 62,3 Mio. Euro und die Schulden, die Domco bei der Bank hatte. Damit war die Domco-Gruppe voll in der Hand der Auffanggesellschaft und damit der Bank.

Die Auffanggesellschaft führte die Sanierungsmaßnahmen, die Brixener begonnen hatte, fort; allerdings in der brutalen Version. Während Brixener plante, die Kündigung eigentlich überzähliger Mitarbeiter zu vermeiden, um diese bei der zu erwartenden geschäftlichen Expansion für die neuen Geschäftsfelder einsetzen zu können, strich der neue Besitzer sofort ein Drittel der 800 Arbeitsplätze und produzierte unter den nun idealen Bedingungen weiter. Schließlich sind durch den Konkurs ja auch alle Verpflichtungen null und nichtig geworden; darunter wie selbstverständlich auch die Abfindungen der Mitarbeiter. Der Leser erinnert sich: Gerade gegen diese Brutalsanierung auf dem Rücken der kleinen Lieferanten und der Mitarbeiter hatte Brixener sich seinerzeit vehement gewehrt.

Daraus ergaben sich in den Jahren 2005 bis 2007 Gewinne in Höhe von insgesamt 16 Millionen Euro vor Steuern und Abschreibungen für die Bank.

12) Im Jahr 2007 verkauft die Bank die 74 Prozent der Auffanggesellschaft an einen deutschen Unternehmer. 26 Prozent der Anteile an der Auffanggesellschaft bleiben Vermögen der Bank; die möchte schließlich selbst an den Gewinnen des sanierten Unternehmens weiter mitverdienen.

    Dokument: Dossier deutscher Unternehmer

    (Wird noch erstellt)

Der geschätzte Verkaufspreis von rund Euro 10,0 Mio plus die Gewinne aus den Jahren zuvor ergeben mit rund 26 Mio. Euro nahezu genau den Betrag, den die Bank zu Beginn des Dramas Brixener für den Kauf der damals maroden Domco geliehen hat.

Brixener hat dieses Chart am 28. November 2008 anlässlich einer Pressekonferenz vor internationalen Journalisten vorgestellt und seitens der Bank bisher (Redaktionsschluss 11. März 2009) keine Stellungnahme hierzu erhalten.

Und was hat die Bank von diesen Vorgängen außer der Tilgung des Darlehens an Brixener? Zunächst hält sie neben dem deutschen Investor noch 26 Prozent an der Elektromotoren GmbH über die bankeigene Auffanggesellschaft. Das bringt weitere erhebliche Gewinne, im Jahr 2008 von immerhin geschätzten Euro 2,5 Millionen für die Bank, der Rest von geschätzt 4,5 Millionen Euro Gewinn geht an den deutschen Unternehmer.

Außerdem hat sie an dem Verkauf nicht schlecht verdient; wie viel ist nicht genau bekannt, aber Brixener liegt ein internes Papier vor, das offenbar drei Tage vor dem Kauf der Domco-Konkursmasse gefertigt wurde. Darin ist ein Reingewinn aus der Transaktion in Höhe von knapp vier Millionen Euro prognostiziert.

    Dokument: Kalkulation der Domco-Übernahme

    (Wird erwartet)

Fazit: Eine Strategie von bösartiger Eleganz. Wenn man annimmt, dass die Transaktion etwa 400.000 Euro gekostet haben dürfte (anteilige Arbeitszeitkosten und Aufwandsentschädigung für hochrangige Manager), errechnet sich eine Aufwandrendite von 1.000 Prozent; das Zehnfache des eingesetzten Kapitals also.

Als alles abgewickelt war, blieb ein tief verletzter ehemaliger Unternehmer zurück, der noch immer erlebt, wie es ist, sich im politischen Gestrüpp zu verheddern, während der Polit-Sumpf an ihm höher steigt.

Einige Vorkommnisse in dieser bemerkenswerten Geschichte sind es wert, besonders hervorgehoben zu werden, weil sie den bedenkenlosen Umgang der Bank mit den rechtlichen Vorschriften und der Macht dokumentieren.

Es kann sich allerdings nur ein wirklich Mächtiger erlauben, so offen mit den Strafrechtsvorschriften umzugehen wie die Bank, die laut Brixener mehrfach gegen das Bankgeheimnis und Treupflichten verstoßen hat.

Es kann sich auch nur ein wirklich Mächtiger erlauben, dem Anwalt eines Geschädigten zweifelhafte Angebote zu machen, die durchaus als Versuch der Bestechung gewertet werden können. So zum Beispiel am 14. Juli 2005, als ein Bankchef persönlich Brixeners Anwalt bedrängte, diesen zu bewegen, den Konkurs doch lieber nicht anzumelden. Im Falle „kooperativen Verhaltens“  wolle die Bank die Honorierung des Anwalts übernehmen („die gesamten Vertretungskosten“). Das Kalkül ging wohl in die Richtung, dass einem Anwalt, vor die Wahl gestellt zwischen der Aussicht auf ungewisse Honorierung und sauberer Weste einerseits oder Parteiverrat und sicherem Gewinn anderseits, das Hemd immer noch näher sei als die Jacke. Die Banker spekulierten falsch, und es ist beruhigend zu wissen, dass es noch Anwälte gibt, denen Integrität mehr bedeutet als das pralle Bankkonto.

    Dokument: Aktennotiz des Anwalts

    (Wird erwartet)

Die Anwaltskosten, die Brixener früher oder später zu bezahlen haben wird, sind inzwischen auf sechsstellige Beträge angewachsen.

Es kann sich auch nur ein Insolvenzverwalter, der sich des Schutzes der Mächtigen sicher ist, erlauben, sich einfach so über die Interessen des fallierten Unternehmers und über geltende Gesetze hinwegzusetzen. Als es zum Beispiel um die ominöse Anerkenntnisvereinbarung ging, ließ der Insolvenzverwalter Brixener gerade einmal drei Stunden Zeit, gegen diesen Plan zu protestieren.

In einem regelgerechten Verfahren hätte darüber wenigstens verhandelt werden müssen, aber der Verwalter setzte sich darüber hinweg. So steht es in einer Klageschrift, die Brixener beim zuständigen Gericht eingebracht hat. Allein die Einlassungen der Bank in diesem Verfahren bei Gericht sind schon wieder ein Lehrbeispiel für die Strategie, durch die Eröffnung von Nebenkriegsschauplätzen und das Werfen von Nebelkerzen einen Prozess zu verzögern und die Leistungskraft des Geschädigten zu absorbieren.

    Dokument: Klageschrift

    Dokument: Klageerwiderung

Schließlich steht auch nur einem wirklich Mächtigen der Zugriff auf den Justiz- und Presseapparat offen. Die Folgen sollte Brixener bald spüren: So verfolgt ihn die Staatsanwaltschaft noch heute mit dem Vorwurf des betrügerischen Bankrotts, führt die vorgeschriebenen öffentlichen Befragungen aber nicht durch.

    Dokument: Anklage Staatsanwalt

    (Wird erwartet)

Stattdessen munitioniert die Sprecherin der Behörde die Presse immer wieder einmal mit falschen Informationen, die diese begeistert aufnimmt. Und als habe die Bank mit dem Gewinn aus dem Raid noch nicht genug, versucht sie bei Brixener noch drei Millionen Euro extra herauszuholen, die sie, so erklärt Brixener, über unrechtmäßig erworbene Titel eintreiben will.

Verständlich, dass Brixener inzwischen zur  Justiz ein gespaltenes Verhältnis hat. Unter der Annahme, dass der Filz zu dicht ist, um auf normalem rechtlichen Weg zur Wiedergutmachung zu kommen, hat er sich nun entschlossen, das System mit einer überraschenden Taktik zu überlisten und neue Spielregeln, endlich mal zu seinen Gunsten, aufzustellen.

Der Druck, den er aufbaute, scheint zumindest den obersten Chef dieser Bankengruppe beeindruckt zu haben. Allein die Tatsache, dass dieser Bericht so sorgfältig anonymisiert ist, weist darauf hin, dass inzwischen wohlwollende Verhandlungen anberaumt sind.

Da möchte ich nicht weiter stören.

zurück

zum nächsten Fall

[Home] [Aktuelles] [Inhalt] [Fälle] [Ratgeber] [Tools] [Finanzierungen] [Bank und Gesellschaft] [Freunde] [Kontakt] [Impressum]